Das Freimeisterkollektiv ist ein Netzwerk unabhängiger Brenner*innen. Viele der Freimeister*innen sind Landwirt*innen, Obstbäuer*innen oder Winzer*innen. Die übrigen Destillerien beziehen ihre Rohstoffe aus ihren jeweiligen Regionen und stehen daher in engem Kontakt mit landwirtschaftlichen Produzenten*innen. Allein schon deswegen setzen wir uns mit der aktuellen Protestwelle der Bauern in Deutschland auseinander.

Die Abschaffung klimaschädigender Subventionen für fossile Brennstoffe scheint auf den ersten Blick begrüßenswert, auch wenn die Art und Weise, wie dies geplant und kommuniziert wurde, verständlicherweise für viel Unverständnis gesorgt hat. Mittlerweile ist jedoch allen klar geworden, dass der landesweite Protest längst nicht mehr nur um diesen Punkt kreist.

In den Medien wird in den letzten Tagen immer wieder betont, wie sehr die Landwirtschaft von Subventionen abhängig ist. Dagegen haben wir vorerst nichts einzuwenden, denn wir sind fest davon überzeugt, dass nicht jeder Aspekt unserer Gesellschaft nach den Regeln einer freien Marktwirtschaft funktionieren kann und soll. Kultur, öffentlicher Verkehr, Gesundheitswesen oder eben die Sicherstellung unserer Ernährung und Landschaftspflege sind einige der Bereiche, die aus unserer Sicht zu Recht von der Gemeinschaft unterstützt werden sollten.

Problematisch wird es allerdings vor allem dort, wo profitorientierte Unternehmen direkt oder indirekt von Subventionen profitieren. Gerade in der jetzigen Zeit verstehen wir selbstverständlich den Bedarf an billigen Lebensmitteln, aber Agrarsubventionen führen wohl auch dazu, dass Geld in die Kassen der Nahrungsmittelkonzerne und Discounter gespült wird. Ein kurzer Blick auf die Liste der reichsten deutschen Familien verrät, dass das Verramschen von Lebensmitteln sehr, sehr lukrativ sein kann. Bekanntermaßen dienen Agrarsubventionen weniger der Unterstützung kleinteiliger und nachhaltiger Landwirtschaft, sondern vielmehr der Stärkung industrieller Großbetriebe, Nahrungsmittelkonzerne und Supermärkte, die die Preise landwirtschaftlicher Erzeugnisse diktieren.

Die Lösung kann jedoch nicht darin liegen, dass jetzt alle ihre guten Vorsätze für das neue Jahr über Bord werfen und sich nur noch hochwertige Spirituosen, die nachhaltig in kleinen unabhängigen Betrieben produziert werden, hinter die Binde kippen. Damit leistet ihr bestimmt einen klitzekleinen Beitrag zu einer besseren Welt, aber bestimmt keinen guten Beitrag zu eurer Gesundheit.

Als wir das Freimeisterkollektiv gegründet haben, verstanden wir unsere Idee auch als ein Open-Source-Modell, das von anderen landwirtschaftlichen Genuss- und Nahrungsmittelproduzenten übernommen werden kann. Das Konzept eines Netzwerks, das die Wertschöpfungskette möglichst lange bei den Landwirt*innen und in ihren Regionen belässt, kann man auch auf andere Lebensmittel ausweiten. Von der Rohstoffbeschaffung, die bei vielen Freimeister*innen am eigenen Feld, Weinberg oder im Obstgarten erfolgt, über die Produktion wie Maischen, Mälzen, Mazerieren und Destillieren bis hin zu Veredelung und Fasslagerung, findet die Wertschöpfung weitestgehend in der Region statt. Die landwirtschaftliche Brennerei betreibt nicht nur aktiv Landschaftsschutz, indem sie z.B. Streuobstwiesen pflegt, sondern ist geradezu ein Musterbeispiel, wie die Wertschöpfungskette im landwirtschaftlichen Betrieb verlängert werden kann. Durch vernetzte Vermarktungs- und Vertriebsstrukturen wird dies obendrein fortgesetzt.

Dieses Konzept, das wir für Spirituosen anwenden, lässt sich auch auf andere veredelte Agrarprodukte anwenden. Ob Essig, Öl, Käse, Tee, Schokolade oder vieles mehr, es gibt zahlreiche Bereiche, die von einem ähnlichen Netzwerkmodell profitieren können. So kann die Grundidee des Freimeisterkollektivs für andere landwirtschaftliche Produzent*innen zu einer Open-Source-Vorlage werden.

Das Freimeisterkollektiv ist nicht nur ein Netzwerk für Vermarktung und Vertrieb, sondern vor allem eine Bühne, auf der Landwirt*innen und Handwerker*innen mit ihren hervorragenden Werkstücken glänzen können. Neben allen ökonomischen Zwängen und der Frage, wie man Agrarsubventionen besser organisieren kann, geht es hier auch um Respekt und Anerkennung. Respektloser kann man mit den Erträgen einer Ernte oder dem Leben von Nutztieren nicht umgehen, als sie in den Regalen eines Discounters zu verschleudern. Und das ist mehrheitlich die Realität für die deutsche Landwirtschaft und somit können wir die Wut und Frustration der Bauern gut verstehen.

Durch den bewussten Konsum von nachhaltig produzierten Lebens- und Genussmitteln, wobei wir an dieser Stelle unsere Freimeister-Spirituosen unverschämt anpreisen, erspart ihr euch die Gretchenfrage: Soll ich etwas Gutes für mich oder etwas Gutes für meine Umwelt tun? Wir versprechen euch, mit jedem Schluck werdet ihr von diesem moralischen Dilemma befreit. Für andere Nebenwirkungen übernehmen wir allerdings keine Verantwortung. Prost auf ein reales Schlaraffenland, in dem Spirituosengenuss, soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen!