Nicolas Kröger – The Rose Cocktail

Nicolas Kröger ist ein Mann mit Geschmack und Mut. Beides vereint er in seiner Bar Wagemut, die angetreten ist, die Bar mit der besten Spirituosenauswahl der Welt zu werden. Aber das Projekt in Kreuzberg ist bei weitem nicht das einzige des umtriebigen Gastronomen, Rum-Produzenten, ausgebildeten Butlers – und natürlich Freimeisters. Wir freuen uns sehr, dass Nicolas Kröger mit uns den Auftakt zu unserer Kategorie "5 Fragen - 1 Drink" bestreitet. Und so nebenbei an einer Säulenheiligen der Bar rüttelt …

5 Fragen – 1 Drink: The Rose Cocktail

FMK: Nicolas, für welchen Drink hast du dich entschieden?

Nicolas Kröger: Für eine kleine Abwandlung eines Rose Cocktails, eines alten, vergessenen Klassikers, der auf Kirschlikör, trockenem Wermut und Himbeersirup basiert. Es war das Erste, was mir in den Sinn kam, als ich an dem FMK Basler Langstieler Wild von Humbel gerochen habe. Dieser Kirschbrand ist eine Offenbarung, eine richtige Eins Plus.

FMK: Wie ist die Rezeptur, und was ist bei dem Cocktail zu beachten?

Nicolas Kröger: Die Rezeptur ist 5 cl FMK Basler Langstieler Wild, 2 cl FMK Wermut Extra Trocken von Lisa Bauer und ein Tropfen Himbeersirup. Der Drink besteht aus drei Zutaten, also ist jede Komponente ausschlaggebend. Der Brand muss natürlich top sein, aber auch das Sirup muss qualitativ hochwertig sein. Mit einem künstlichen Bonbonsirup bricht der Drink auseinander. Ich schmecke den Cocktail höchstens mit einer Zitronenzeste ab, gebe diese aber nicht mit ins Glas. Der Drink wird im Rührglas gerührt, ich gehe aber anders vor: Ich vermenge die Zutaten, packe Eis dazu, stelle das Rührglas zur Seite und lasse es stehen.

FMK: Und warum machst du das?

Nicolas Kröger: Ich habe noch nie wirklich darüber gesprochen, aber ich habe da so meine Theorie. Wenn man Alkoholgehalt reduzieren möchte, muss man darauf achten, dass dieser Vorgang nicht zu schnell geschieht. Wenn man Wasser zu schnell hinzugibt, hat man enormen Aromenverlust und zerstört die aromatische Struktur. Mit minderwertigem, nicht sehr kaltem Eis ist der Drink sowieso hinüber. Er bleibt flach, man ist nicht mehr in der Lage, Vollmundigkeit zu erzeugen. Beim zu schnellen Rühren hat man einen ähnlichen Effekt, selbst wenn man gutes Eis hat. Vielleicht nicht ganz so dramatisch wie im ersten Fall, aber der Unterschied zum Drink, den du einfach nur stehen lässt, ist erheblich. Natürlich ist mir klar, dass man das nicht in einer vollen Bar am Samstag Abend machen kann.

Man muss zuallererst die Spirituose kennen, erst dann kann man einen Cocktail machen.

FMK: Du stellst das Rühren in Frage, praktisch eine der Säulenheiligen der Bartechnik …

Nicolas Kröger: Wir Bartender machen sehr viele Dinge, weil sie uns beigebracht wurden, aber hinterfragen sie zu selten. Ich finde, wir setzen uns nicht genügend sensorisch mit den Produkten auseinander, sondern kopieren beispielsweise das, was der Markenbotschafter uns sagt, oder orientieren uns am generellen Ruf eines Produktes. Am Etikett auf der Rückseite. Produkte blind und individuell zu verkosten findet kaum noch statt, und selbst wenn, wird man häufig manipuliert. Sensorik ist eine Kopfsache. Wer das verstanden hat und gut verkaufen kann, kann ein Tasting sehr zu seinen Gunsten verändern. Wenn jemand ständig von Erdbeere spricht? Dann schmeckst du die irgendwann auch. Aber man muss zuallererst die Spirituose kennen, erst dann kann man einen Cocktail machen. Ich war immer der, der gefragt hat: 'Warum? Ich möchte das wissen.'

FMK: Und welchem Gast würdest du deinen Rose-Cocktail vorsetzen?

Nicolas Kröger: Bevor ich den Drink in das Gästeglas abseihe, gebe ich noch einen Schuss der Basisspirituose hinzu. Die ist dann unverdünnt und betont den Charakter des Drinks sozusagen nochmal mit einem Extrakick. Der Cocktail ist für Leute, die Geld für gutes Essen und guten Wein ausgeben und intensive Aromen zu würdigen wissen. Oder natürlich für Gäste, die Obstbrände mögen. Ich würde ihn nicht unbedingt jemandem vorsetzen, der wegen Scotch zu mir kommt. Ich liebe auch die zartrose Farbe des Drinks. Vor allem Männer, die meinen, sie seien ganz harte Jungs, kann man diesen rosa Schmetterling vorsetzen. Denn von der Farbe sollte man sich nicht täuschen lassen: Der Cocktail hat es in sich.

The Rose Cocktail
interpretiert von Nicolas Kröger

5 cl FMK BASLER LANGSTIELER, WILD 503
2 cl FMK WERMUT EXTRA TROCKEN 015
1 Barlöffel hochwertiger Himbeersirup